ScheidungKrypto-BewertungZugewinnausgleichSteuern

Kryptowährungen in der Scheidung: Zugewinn, Bewertung und Fallstricke

Bitcoin & Co. bei der Trennung: Ich erkläre dir alles über den Zugewinnausgleich, die richtige Bewertung volatiler Assets und wie du Krypto-Steuerfallen vermeidest.

Mark Rätzel27. März 20264 Min. Lesezeit

Eine Scheidung ist emotional und rechtlich schon belastend genug. Wenn dann noch Kryptowährungen im Spiel sind, kommt eine Ebene hinzu, die viele Anwälte und Gerichte vor echte Herausforderungen stellt. In diesem Artikel erkläre ich dir, worauf es beim Zugewinn wirklich ankommt und wie wir gemeinsam Licht ins Dunkel bringen.

Hinweis: Ich bin Krypto-Berater. Dieser Text dient deiner Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung durch einen Fachanwalt oder Steuerberater.

1. Krypto im Zugewinnausgleich: Die Rechnung

In Deutschland leben die meisten Paare in der Zugewinngemeinschaft. Das bedeutet vereinfacht: Alles, was ihr während der Ehe an Wert gemeinsam oder getrennt aufgebaut habt, wird am Ende geteilt.

Anfangsvermögen: Was hattest du am Tag deiner Hochzeit? Das belegen wir durch Kaufbelege oder deine Wallet-Historie.

Endvermögen: Was besitzt du an dem Tag, an dem der Scheidungsantrag offiziell zugestellt wurde (§ 1384 BGB)?

Die Differenz: Dieser „Zugewinn“ wird ermittelt und zur Hälfte ausgeglichen (§ 1378 BGB).

-> Wichtig: Deine Kryptos werden zum Marktwert in Euro am Stichtag bewertet. Du schuldest deinem Ex-Partner also in der Regel Geld, keine Coins. Aber es gibt Ausnahmen, auf die wir im Einzelfall schauen müssen.

2. Das Bewertungsproblem: Welcher Kurs zählt?

Krypto-Kurse schwanken im Minutentakt. Bei einer Scheidung kann das zu massiven Ungerechtigkeiten führen:

Der exakte Tag: Es zählt nicht der Durchschnitt des Monats, sondern der Kurs am Tag der Zustellung des Scheidungsantrags.

DeFi & NFTs: Komplizierter wird es bei Staking-Positionen, Liquidity Pools oder NFTs. Hier reicht ein Blick auf den Bitcoin-Kurs nicht aus. Diese Assets müssen wir einzeln bewerten, eine Aufgabe, bei der ich dich unterstütze.

Mein Tipp für dich: Führe eine Art „Krypto-Tagebuch“. Dokumentiere über die Jahre hinweg alle Käufe, Bestände und was alles dazugehört. Wenn dein Portfolio umfangreicher wird, verliert man schnell den Überblick oder vergisst Vermögenswerte. Es ist zudem extrem sinnvoll, den Kurs am Stichtag sofort mit Screenshots von Portalen wie CoinMarketCap oder CoinGecko zu sichern. So hast du später eine klare Diskussionsgrundlage und verstehst genau, welche Werte in die Rechnung einfließen. Dabei geht es mir nicht nur um den Nachweis, sondern vor allem um dein Verständnis, damit nichts unter den Tisch gekehrt wird. Preise kann man zwar rückwirkend nachschlagen, aber das Gesamtbild muss stimmen.

3. Auskunftspflicht: Wer muss was offenlegen?

Du oder dein Partner dürft Kryptos nicht einfach „vergessen“. Gemäß § 1379 BGB besteht eine umfassende Auskunftspflicht, und es kann jederzeit Einsicht in die Unterlagen verlangt werden. Dazu gehört ein vollständiges Vermögensverzeichnis:

  1. Alle Wallets: Hardware (Ledger), Software (MetaMask) und Exchange-Accounts (Bitpanda, Binance).
  2. Transaktionslisten: Die Historie seit der Eheschließung, um dein Anfangsvermögen sauber abzugrenzen.
  3. Besonderheiten: Auch „versteckte“ Werte wie Airdrops oder Staking-Rewards müssen angegeben werden.

4. Steuerliche Fallstricke: Die „versteckte“ Steuerlast

Ein Punkt, den viele übersehen: Wenn du Krypto verkaufen musst, um deinen Partner in Euro auszuzahlen, kann das Einkommensteuer auslösen.

Haltefrist: Liegt der Kauf weniger als ein Jahr zurück, sind Gewinne oberhalb der Freigrenze steuerpflichtig (§ 23 EStG).

Die Gefahr: Du zahlst beispielsweise 25.000 € an deinen Partner aus und musst zusätzlich 15.000 € Steuern an das Finanzamt abführen. Am Ende bleibt dir von deinem Krypto-Anteil kaum etwas übrig.

Lösung: Manchmal ist es wirtschaftlich klüger, die Coins direkt zu übertragen, anstatt sie zu verkaufen, oder eine außergerichtliche Einigung anzustreben.

Genau hier liegt jedoch die Schwierigkeit: Wir müssen im Einzelfall sorgfältig abwägen, ob eine gütliche Einigung sinnvoller ist oder ob man den Ex-Partner gerichtlich zwingen muss, selbst wenn durch einen dadurch ausgelösten Zwangsverkauf am Ende weniger Nettogewinn übrig bleibt. Dies ist eine strategische Entscheidung, die wohlüberlegt sein will.

5. Was tun, wenn Krypto „verschwindet“?

Leider erlebe ich oft, dass ein Partner behauptet, die Keys verloren zu haben oder gehackt worden zu sein. Wenn das Vertrauen weg ist, hilft nur noch die Technologie:

Blockchain-Forensik: Wir können Transaktionen nachverfolgen. Wenn Coins kurz vor der Trennung auf eine neue Wallet gewandert sind, gilt das rechtlich oft als „illoyale Vermögensminderung“ (§ 1375 Abs. 2 BGB). Das Geld wird dann so behandelt, als wäre es noch da.

Bank-Check: Prüfe Überweisungen an Krypto-Plattformen. Das ist oft der erste Dominostein, der das versteckte Vermögen ans Licht bringt.

Fazit & Checkliste

Krypto in der Scheidung ist kein Hexenwerk, erfordert aber Präzision.

  1. Sichere deine Historie (CSVs/PDFs von Börsen downloaden!).
  2. Prüfe den Stichtag und den dazugehörigen Kurs.
  3. Kläre die steuerlichen Folgen eines Verkaufs.
  4. Hole dir technische Hilfe, wenn die Gegenseite unplausible Verluste behauptet.

Benötigst du eine saubere Aufstellung deiner Krypto-Werte für deinen Anwalt? Als Berater helfe ich dir dabei, die technische Komplexität in ein klares, gerichtsfestes Bild zu verwandeln.

Ich hoffe, dass ich dir mit diesem Artikel helfen konnte.

Viel Kraft und starke Nerven.

Mark Rätzel

Professionelle Kryptoberatung

Behalten Sie den Überblick über Ihre Krypto-Investments, wir helfen Ihnen bei der Erstellung von Steuerberichten und vielem mehr.

Jetzt starten

Passende Tools

War das hilfreich?

Datenschutzkonform und komplett anonym. Keine personenbezogenen Daten werden gespeichert.